"Eigentlich alles" ist kein Musikgeschmack!
Es ist, wie es ist. Die einen hören Musik, die anderen lediglich Radio. Der Caschy zeigt sich aktuell spendabel und will dringend ein iPad Dock loswerden. Alles, was man dafür tun muss: Über Musik schreiben.
Und genau an diesem Punkt wird es schon spannend. Immer wieder erwische ich mich dabei, wenn Mitmenschen sich unglaublich tolerant zeigen wollen, und "eigentlich alles" hören - oder gar "Radio". Beides hat für mich nicht ansatzweise etwas mit Musik hören zu tun. Nein, es ist bei weitem nicht so, dass mir nicht auch ab und an einmal ein Lied gefällt, das im Radio läuft. Ich weiß allerdings auch, warum das so ist!
Vielleicht bin ich ein extremes Beispiel. Ich habe fast 500 Konzerte besucht, habe knapp 100GB Musik, auf die ich permanent Zugriff haben möchte, weil sie mir gefällt und mich durch mein Leben bringt. Weil ich den Soundtrack zu meinem Leben selbst mit mir herumtragen und ihn überall parat habe möchte. Deshalb liegt mein Soundtrack, der sich ständig erweitert - sowohl über iTunes Käufe, als auch als "klassische CD" - auf meinem MacBook Pro und auf meinem PC. Das MacBook Pro synchronisiert außerdem automatisch mein AppleTV, sodass ich über die Remote App auf meinem iPhone noch auf dem Klo die Musik im Wohnzimmer starten kann. Unterwegs leistet mir ein 160GB iPod classic guten Dienst. Als "Ersatz" ist die wichtigste Musik zeitgleich auf einem 32GB iPhone 4, 8GB iPod nano (product (red), ich liebe ihn!) oder meinem iPad gesynct. In die Ohren kommt das, was ich liebe, über die Monster Beats by Dr. Dre In Ear Babys.
Das Ganze ist kein neuer Tick von mir - das mache ich so "schon immer". Früher war es eben der Sony Walkman, später der Diskman, zwischendurch die MiniDisc, bevor dann die ersten MP3s aufkamen und das Leben echt erleichterten. Weggeschmissen habe ich nichts davon. Mixtapes, CDs, MiniDisks. Sie alle liegen noch da. Manche sind ein Zeichen für frühen guten Geschmack - so war meine erste CD zum Beispiel die "Metallica" von Metallica. Andere sind eher ein Mahnmal und tun an dieser Stelle lieber nichts zur Sache ;)
Aber genau so, wie Mixtapes, CDs, Minidiscs oder eben Festplatten die Musik konservieren, konserviert Musik bei mir auch Erinnerungen, macht sie komplett. Es gibt wenige Erinnerungen, die sich wichtig anfühlen, in denen ich nicht weiß, welche Musik ich gehört habe. Ob es die Fahrt nach Frankreich zum Schüleraustausch war, die vierwöchige geniale Reise mit meinen Eltern im Wohnmobil durch den Skandinavischen Sommer, der erste Song in meinem ersten selbst gekauften Auto. Ich könnte euch sogar noch sagen, welche Musik beim ersten Mal lief - wenn ich es denn wollte ;)
Wahrscheinlich funktioniert all dies so gut, weil Musik eben nicht nur einfach eine Aneinanderreihung von Tönen ist. Es ist das Zusammenspiel mit dem Text, dem Artwork, der Performance der Band auf der Bühne. Musik ist gut, wenn sie echt ist, Musik ist echt, wenn man Gefühle spürt. Musik ist Sprache, Geschichte, Kunst. Musik ist Spaß, Trauer, Emphase, Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit. Musik ist nicht Radio. Musik ist wie das 5 Gänge Menü in einem Spitzenrestaurant. Radio ist wie das Kacken am nächsten morgen. Wahrscheinlich notwendig, aber nicht wirklich schön.